Der Geruch der Bohne, so intensiv und so vernichtend. Welch Gedankenvielfalt allein durch die olfaktorische Aufnahme begünstigt in den Sinn kommt. So viele Erinnerungen, ein kleines.. „MÄDCHEN! Nimm deine Hände aus dem Bottich!“ Verängstigt schaute das Kind auf, die großen kastanienbraunen Augen, in denen sich gelegentlich helle, ockerfarbene Streifen entdecken ließen, zogen sich zusammen. Ein Moment der Stille, ein ewiger Moment, jeder kleinste Teil einer Sekunde setzte sich auf der samtigzarten Haut ab. Unsicher neigte sie den Kopf zur vermeidlichen Lärmquelle. Denn es war nur ein lärmendes Geräusch, sie hieß ja auch nicht „Mädchen“, sondern Laura. Die Tonlage war bezeichnend, sie kannte sie. Eine Lähmung durchzog den Körper, während sie sich innerlich dem Fremden schon entzogen hatte, weit davon gelaufen war. Für den Mann aber stand sie unberührt, regungslos mit leeren großen Augen. Es sind die leersten Augen, die dieser erwachsene Mensch jemals zu sehen vermochte, berührt aber war er nicht. In einer mannigfaltigen, nicht minder intensiven Stimmlage setzte er mit gekniffenen Augen fort: „Sag mal bist du taub? Blöd? Du sollst deine Finger da raus nehmen!“ Laura empfand noch etwas anderes, neues in dieser Stimmlage. Ein leichter Anschein von Gehetztem, oder Drängendem? So sicher war sie sich ihrer Wahrnehmung nicht, wohl aber durchzog sie tiefes Mitgefühl. Er hatte etwas verloren in seiner Erscheinung, etwas Wertvolles, das liebste, was Laura an einem Menschen war, sie aber nur schwer fassen, geschweige denn in einen Gedanken bringen könnte. Laura mochte den Geruch der Bohnen sehr gerne, die frühen Monate ihres Lebens waren geprägt von dieser Schwere, dieser Herbe, der Durchdringlichkeit. Des Bitteren. Ungestüm drang der Mann auf sie zu, die Bewegung erfasste Laura sofort aus dem Augenwinkel und etwas veranlasste sie nun auch ihrem Inneren zu folgen. Sie erhaschte noch einmal eine Fahne, sog sie wie eine kraftvolle Essenz auf, lebte für den Moment die Intensivität der Lebendigkeit und ließ wie in glücklicher Ekstase dem Drang ihrer Seele nach. Noch bevor der Bohnenverkäufer in seiner kleinen, hölzernen Verkaufsstube, in der sich aneinander die zumeist mit braun-schwarzen Bohnen befüllten Behälter reihten, das kleine Mädchen erreichte, sank diese betreten, benommen zu Boden. Einen kleinen Seufzer mag der Verkäufer noch gehört haben. |